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Teilnehmende des 1. ThemenkreisesDer 1. ThemenkreisDer 1. Themenkreis

1. Themenkreis:
„Status Quo“ – Erfahrungsaustausch der Unternehmen, Hemmnisse und
Herausforderungen, Status Quo in Berliner Unternehmen


Wie viele Frauen beschäftigen Sie in Ihrem Unternehmen in Führungspositionen?

Nach Abfrage des prozentualen Anteils der Frauen in Führungspositionen unter den Teilnehmenden stellte Themenkreis-
moderatorin Juliane Heise einen Zusammenhang mit der Unternehmensgröße fest: Je größer das Unternehmen ist, desto
weniger Frauen lassen sich in Führungspositionen finden. Zwischen der Branche des Unternehmens und dem Frauenanteil
an Führungspositionen konnten die Teilnehmenden hingegen keinen Zusammenhang finden.

Worin liegen die unternehmerischen Hemmnisse, Frauen in Führungspositionen zu beschäftigen?

Hier stellten die Teilnehmenden drei Hemmnisquellen heraus.

Auf der persönlichen Ebene fanden sich die folgenden Hemmnisse:

  • Frauen trauen sich häufig weniger zu.
  • Frauen sind häufig zu passiv.
  • Frauen haben oft ein schlechtes Gewissen, weil sie befürchten, die Familie zu vernachlässigen,
    wenn sie in Führungspositionen aufsteigen.

Auf Unternehmensebene stellten die Teilnehmenden die folgenden Hemmnisse fest:

  • Es gibt häufig eine mangelhafte Kommunikation zwischen Frauen und Männern. So erfahren Frauen häufig
    nur unzureichend von ausgeschriebenen Führungspositionen im Unternehmen.
  • Auf organisatorischer Ebene ist es oft schwierig, Geschäftsreisen mit dem Familienleben zu vereinbaren.
  • Frauen und Männer werden immer noch ungleich bezahlt. Viele Frauen sehen nicht ein, mehr zu leisten,
    wenn sie dafür weniger Gehalt bekommen als ihre männlichen Kollegen.

Als dritte Ebene definierten die Teilnehmenden die gesellschaftliche Ebene, die die folgenden Hemmnisse birgt:

  • Traditionelles Denken in Rollenmustern hindert viele Frauen daran, in Führungspositionen aufzusteigen.
  • Männer hingegen trauen sich aus Angst vor negativer Beurteilung durch Kollegen und Vorgesetzte häufig
    nicht, eine längere Elternzeit zu nehmen.




Das Plenum zum 1. ThemenkreisDas Plenum zum 1. ThemenkreisDas Plenum zum 1. Themenkreis

Plenumsbeiträge zu den Ergebnissen des 1. Themenkreises

Nachdem die Ergebnisse der jeweiligen Themenkreise im Plenum vorgestellt worden waren, bekamen IHK-Präsident
Dr. Eric Schweitzer und Senatorin Dilek Kolat die Möglichkeit, sich zu den Ergebnissen zu äußern.

Dr. Eric Schweitzer: „Wir brauchen deutlich mehr Frauen, nicht nur in Führungspositionen, sondern insgesamt
in der Erwerbstätigkeit“

Bezüglich des Status Quo erläuterte Dr. Eric Schweitzer, dass in Deutschland insgesamt deutlich mehr Frauen sowohl in der Erwerbstätigkeit als auch in Führungspositionen gebraucht würden. Dies sei insbesondere vor dem Hintergrund des demo-
grafischen Wandels und des nahenden Mangels an qualifizierten Fach- und Führungskräften dringend notwendig. Als wichtigen Aspekt betrachtet Dr. Eric Schweitzer hier die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die durch ganztägige Betreuungsangebote für Kinder verbessert werden könne. Durch die Einführung von Ganztages- Sekundarschulen sei Berlin bereits einen Schritt in die richtige Richtung gegangen. Nun gelte es, diese Ganztagesangebote durchgängig und flächendeckend auszubreiten.

Dr. Eric Schweitzer: „Wir werden in Deutschland in den nächsten zwölf Jahren, und das ist morgen, von 42 Millionen
Erwerbstätigen sechs Millionen verlieren. Das ist dieses Riesenthema Demographie.“

Dr. Eric Schweitzer erläuterte zu den Ergebnissen des ersten Themenkreises „Status Quo“, dass in Deutschland insgesamt deutlich mehr Frauen sowohl in der Erwerbstätigkeit als auch in Führungspositionen gebraucht würden. So fehlten durch den demo-
grafischen Wandel in Deutschland 2025 sechs Millionen Erwerbstätige im qualifizierten Bereich. Bei einer Nichtbesetzung dieser Stellen prognostizierte Dr. Eric Schweitzer einen dramatischen Wohlstandsverlust in Deutschland. Unter anderem fehlten dadurch viele Beitragszahler für die Sozialkassen. Bei der Erwerbstätigkeit von Frauen zähle Deutschland mit 70 % zu den ersten fünf Ländern in Europa. Jedoch sei der Großteil dieser Frauen in Teilzeit beschäftigt, sodass Deutschland bei der Vollerwerbstätigkeit im Vergleich weiter hinten stehe. Laut Dr. Schweitzer wollen 20 % derer, die in Teilzeit arbeiten, Vollzeit arbeiten.

Dr. Eric Schweitzer: „Es ist zwingend notwendig, dass wir es schaffen, dass die die wollen, es auch dürfen und können. Und um dieses hinzukriegen, brauchen wir eine viel bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Deswegen bin ich ein tiefer Verfechter davon, dass ich sage, man muss für Frauen die gleichen Voraussetzungen schaffen wie für Männer, dass sie es können.“

Man könne niemanden zwingen, in Vollzeit zu arbeiten, aber auch niemanden daran hindern. Ein wichtiger Aspekt, der dazu beitrage, sei die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hierzu zähle unter anderem die Schaffung von Ganztagesbetreuungs-
angeboten für Kinder. Berlin sei durch die Bildungsreform, die zur Einführung von Ganztagsschulen bei den Sekundarschulen geführt habe, bereits einen Schritt in diese Richtung gegangen. Allerdings sei es eine langfristige Aufgabe der Kommunen, Voraussetzungen für eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf, und somit durchgehend Ganztagsbetreuungsangebote
zu schaffen.

Senatorin Dilek Kolat: „Das Umfeld ist in dem Zusammenhang sehr wichtig, und auch die Unternehmenskultur, das im Bewusstsein zu haben, und auch einen Blick dafür zu haben, wo die Frauen sind. Die sind nämlich da.“

Senatorin Dilek Kolat ist ebenfalls der Meinung, dass Betreuungsmöglichkeiten eine Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind. Auch sie sieht die Politik in der Verantwortung, für ausreichend Betreuungsplätze zu sorgen.

Das Hemmnis des mangelnden Selbstvertrauens von Frauen betrachtet sie als bedeutenden Faktor in Zusammenhang mit Führungspositionen. Ihrer Meinung nach müsse in Schule und Gesellschaft erkannt werden, welche junge Frau Potenzial zur Führungskraft hat, sich aber eine Führungsfunktion nicht zutraut.

Dieses Beispiel lasse sich häufig in der Politik finden, wo viele Frauen sehr viel leisteten und Politik gestalteten, sich aber bei der Darstellung der Politik dann zurücknähmen. Führungspotenzial von Mitarbeitenden zu erkennen, und diese in ihrer Karriere zu fördern und zu unterstützen ist laut Senatorin Dilek Kolat eine Aufgabe von Führungskräften. Das Umfeld der zu fördernden Frauen sowie die Unternehmenskultur und das Bewusstsein spielen daher ebenfalls eine große Rolle, Frauen zur Übernahme von Führungspositionen zu ermutigen.