Logo der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen Logo des Bereichs Arbeit der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen Logo der IHK Berlin Kopfgrafik - Frauen an die Spitze!

Sie befinden sich hier: Interaktion/Dokumentation/Workshop 3. Themenkreis

Der 3. ThemenkreisDer 3. ThemenkreisDer 3. Themenkreis

3. Themenkreis:
„Rolle der Politik“ – Politischer Handlungsbedarf zur Gestaltung der Rahmenbedingungen,
Fragen, Ansätze, Forderungen & Bedarfe


Brauchen wir eine Frauenquote oder reicht die Selbstverpflichtung?

Im Themenkreis von Penelope Rosskopf ging es um die „Rolle der Politik“. Bereits die Eingangsfrage, ob eine Frauenquote gewünscht sei, sorgte für reichlich Diskussionsstoff. 15 der Teilnehmenden waren der Meinung, dass eine Quote notwendig ist und Selbsterklärungen nicht ausreichen, während zwei Teilnehmende dagegen waren.

Welche Rahmenbedingungen wünschen sich Unternehmen?

Die zweite Frage zur „Rolle der Politik“ beschäftigte sich mit den Rahmenbedingungen, die von der Politik geschaffen
werden sollen. Ergebnisse hierbei sind die folgenden:

  • Beispiele sollen sichtbar gemacht werden.
  • Genderkennzahlen sollen in Geschäftsberichten vorzukommen haben.
  • Das Durchschnittseinkommen von Männern und Frauen soll veröffentlicht werden.
  • Es soll Weiterbildungsangebote auch für Männer geben. Neue Rollenmodelle sollen schon
    von klein auf in den Kindergärten beigebracht werden.
  • Verhaltenskodizes sollen eingeführt werden.
  • Bildungs- und Betreuungsangebote sowie Familiensplitting werden gewünscht.
  • Es sollte vermehrt um die Familie und nicht nur um Frauen gehen. Familienpolitik soll nicht
    mit Frauenpolitik gleichgesetzt werden.
  • Familienarbeit soll ökonomisch anerkannt werden.




Plenum zum 3. ThemenkreisPlenum zum 3. ThemenkreisPlenum zum 3. Themenkreis

Plenumsbeiträge zu den Ergebnissen des 3. Themenkreises


Senatorin Dilek Kolat: „Ökonomische Förderung ist aus meiner Sicht erst mal auch in den Unternehmen zu suchen. Politik kann wertschätzen und die Rahmenbedingungen schaffen.“

Bezüglich der ökonomischen Anerkennung von Familienleistungen erwiderte Senatorin Dilek Kolat, dass sie das Betreuungsgeld als kontraproduktiv für eine Förderung von Frauen betrachte. Ökonomische Förderung sei laut Senatorin Dilek Kolat mitunter in den Unternehmen direkt zu suchen. Rahmenbedingungen hierzu könnten von der Politik geschaffen werden, die Umsetzung müsse jedoch im Unternehmen selbst erfolgen. So sollte beispielsweise auf die persönlichen Umstände der Beschäftigten ein-
gegangen werden, wie z.B. der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hierbei stellt sich für Senatorin Dilek Kolat die Frage, ob es Führungskräfte in Teilzeit geben kann.

Senatorin Dilek Kolat: „Ich bin keine Freundin von ‚Es muss alles so sein oder es geht gar nicht‘. Man muss das wirklich etwas differenziert sehen.“

Auch Senatorin Dilek Kolat ist der Meinung, dass dies nicht generell als unmöglich betrachtet werden könne, sondern von der Branche, dem Unternehmen und der Aufgabenstellung abhängig sei.

Auf die Frage, ob das neue Rollenverständnis bereits in der Erziehung ein Thema spielen sollte, erwiderte Senatorin Dilek Kolat, dass es in Berlin bereits Aktivitäten hierzu gebe. So wurde beim Besuch Kolats in einer Kita in geschlechtlich gemischten Gruppen Kindern Naturwissenschaft spielerisch vermittelt. Allerdings zeige sich bei der Leistungskurswahl in der Schule immer noch eine Unterrepräsentanz von jungen Frauen in naturwissenschaftlichen und MINT-Fächern. Hier sieht sie noch Aufholbedarf, wenn es darum geht, junge Frauen zu ermutigen, eine naturwissenschaftliche Laufbahn zu wählen.

Senatorin Dilek Kolat: „Ich hab gesagt ‚Ich werde es nicht schaffen.‘ Und er hat gesagt ‚Dilek, du bleibst drin, wir zeigen, dass auch Mädchen oder junge Frauen Leistungskurs Physik schaffen können.‘ “

Aus eigener Erfahrung wisse sie, dass Frauen häufig erst ermutigt werden müssten, eine naturwissenschaftliche Laufbahn einzu-
schlagen. So habe ihr Physiklehrer in der Schule ihre Zweifel, ob sie einen Physikleistungskurs schaffen könnte, beseitigt, sie zur Wahl des naturwissenschaftlichen Faches ermutigt und sie weiterhin unterstützt. Sie ist daher der Meinung, dass Pädagogen in der Schule einen Blick für die Talente der Schüler haben und diese fördern sollten. Das neue Rollenverständnis sollte bereits
in der Erziehung ein Thema sein.

Des Weiteren hält sie den Einsatz von Botschafterinnen, die jungen Mädchen als Vorbilder dienen, für sinnvoll.

Dr. Eric Schweitzer: „Am Ende des Tages sind vor allem Vorbilder wichtig. Gerade junge Menschen brauchen Vorbilder.“

Die Idee, Vorbilder einzusetzen, stößt bei Dr. Eric Schweitzer auf große Zustimmung. Als Beispiel für den Erfolg von Vorbildern führt er den Sport, insbesondere den Fußball, auf. Zudem betont er, dass die Ingenieurwissenschaft derzeit eine große Stärke der deutschen Wirtschaft sei und somit einen beachtlichen Beitrag zum Wohlstand leiste. Aus diesem Grund sei es wichtig, mehr Frauen für diesen Bereich zu begeistern, so dass ein Fachkräftemangel hier abgemildert werden könne. Die IHK versucht durch naturwissenschaftliche Ausstattungen von Kindergärten bereits Kinder für den naturwissenschaftlichen Bereich zu begeistern. Auch sehe er es als wichtig an, den Kindern bereits in Bildungseinrichtungen neue Rollenmuster zu vermitteln.

„Können Frauen, die in Teilzeitarbeit sind, auch Führungskräfte sein?“

Dr. Eric Schweitzer erwiderte hierauf, dass dies von der Branche und vom Unternehmen abhängig sei. So hätten große Unter-
nehmen beispielsweise andere Strukturen und Prozesse als kleine und mittelständische Unternehmen. Allerdings sieht
Dr. Eric Schweitzer es tendenziell als eher schwierig an, Führungskräfte in Teilzeit zu beschäftigen. Als Vergleich nennt er
hierbei die Beschäftigung in der Politik. In diesem Bereich sei es eher unwahrscheinlich, einen Teilzeitsenator/eine Teilzeit-
senatorin oder einen Teilzeitbürgermeister/eine Teilzeitbürgermeisterin vorzufinden.

Elternteilen sei es laut Dr. Eric Schweitzer wichtig, zu wissen, dass ihr Kind gut versorgt ist. Somit sei es primär, nicht Führungs-
positionen in Teilzeit anzubieten, sondern die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass auch Eltern Führungspositionen in Vollzeit annehmen können.

Dr. Eric Schweitzer: „Ich glaube am Ende des Tages ist Teilzeit in Führungspositionen schwierig.“

Auf die Frage nach der Möglichkeit, als Teilzeitkraft eine Führungsposition einzunehmen, erwiderte Dr. Eric Schweitzer, dass
dies mitunter von der Branche abhängig sei und er es nicht als unmöglich, aber tendenziell schwierig erachte.

Einem Einwurf aus dem Publikum, es gebe Teilzeitführungspositionen in Norwegen, entgegnete Dr. Eric Schweitzer, dass es in Norwegen eine andere Vereinbarkeit von Familie und Beruf als in Deutschland gebe. Seiner Meinung nach sei Verantwortung nicht teilbar. Auch in Familien hätten laut Dr. Eric Schweitzer beide Elternteile Verantwortung für die Kinder, allerdings kümmere sich auch hier ein Elternteil federführend darum.

Dr. Eric Schweitzer: „Wenn aber viel zu wenig Frauen als Ingenieure ausgebildet werden, können Sie viel zu wenig
Frauen in Führungspositionen bringen, wenn sie physisch gar nicht da sind.“

Um bereits Kinder für naturwissenschaftliche Berufe zu begeistern, stattete die IHK bereits über 150 Kindergärten mit soge-
nannten Themenhäusern der kleinen Forscher aus. In diesen Themenhäusern würden den Kindern spielerisch naturwissen-
schaftliche Aspekte näher gebracht werden. Um das traditionelle Rollenmuster aufzubrechen, sei es ebenso wichtig, auch traditionell weiblich assoziierte Berufe für Jungen attraktiv darzustellen. Hierfür sieht Dr. Eric Schweitzer es ebenfalls als not-
wendig, diese Kultur der neuen Rollenmuster den Kindern in Bildungseinrichtungen mitzugeben. Insbesondere vor dem Hintergrund der kulturellen Vielfalt sei es wichtig, bereits in der Schule vielen jungen Frauen das Selbstbewusstsein zu geben, ihren Berufswünschen nachzugehen, und diese auch mit dem Familienleben vereinbaren zu können. So sollten hier
insbesondere auch Kinder mit Migrationshintergrund erreicht werden.

Dr. Eric Schweitzer: „Wann prägen Sie Kinder am meisten dafür, was sie wollen? Das ist im Kindergarten.“

Ein weiterer Aspekt ist für Dr. Eric Schweitzer die Anerkennung und Wertschätzung der Familie. Das Betreuungsgeld lehne er dennoch ab, da er der Meinung ist, dass die Mittel besser genutzt hätten werden können, beispielsweise für Ganztagesbetreuung sowie Ausbildung von der Krippe bis zum Schulabschluss.