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Unternehmensbesuche Senatorin Dilek Kolat und IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder

21.01.2015 – 3. Unternehmensbesuch bei Projektron GmbH

Dilek Kolat: „Teilzeit und Führungsposition sind machbar. Das ist die Botschaft an die Unternehmen.“

Senatorin Dilek Kolat

Führen in Teilzeit – das war das Thema des dritten Unternehmensbesuches von Dilek Kolat, Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen und Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin. Bei diesen Besuchen tauschen sie sich zum Thema Frauen in Führungspositionen aus und diskutieren zu den jeweiligen Schwerpunktthemen. Etwa 50 Teilnehmende haben den Unternehmensrundgang und die Podiumsdiskussion verfolgt.

Das Software-Unternehmen Projektron produziert eine webbasierte Projektmanagement-Software und geht neue Wege: Seit zehn Jahren haben sie Erfahrung mit Führungskräften in Teilzeit. 2001 gegründet stellten die Geschäftsführer Maik Dorl und Dr. Marten Huisinga vier Jahre später Patrica Rezic für eine Führungsposition ein. Sie hätte nur in Teilzeit arbeiten können. Das gab es bisher bei Projektron noch nicht. Doch für die gut qualifizierte Fachkraft führte das Unternehmen dieses Instrument ein. Patricia Rezic leitet die Buchhaltungsabteilung und ist für das Personalmanagement mitverantwortlich. Dass die Einstellung der Geschäftsführer bei den Mitarbeitenden gut ankommt, zeigen zahlreiche Auszeichnungen, wie der erste Platz beim Preis des Great Place to Work-Instituts als Bester Arbeitgeber in Berlin-Brandenburg sowie der Sonderpreis für „Chancengleichheit & Frauenförderung“ zeigen.

Wichtigstes Instrument, um ein arbeitnehmerfreundliches Unternehmen zu sein, sind für Geschäftsführer Maik Dorl flexible Arbeitszeiten. Die Möglichkeit zur Teilzeit wird nicht nur von Frauen, sondern fast zur Hälfte ebenso von Männern in Anspruch genommen. Die Gründe dafür sind häufig andere als die Betreuung der Kinder. Durch diese bedürfnisgerechten Arbeitsplätze ist Projektron in der Lage, Mitarbeiter einzustellen, die sonst nicht hätten gewonnen werden können. So gibt es keinen Fachkräftemangel und zufriedene Mitarbeitende.

Eine logische Schlussfolgerung also, dass auch Führungskräfte in Teilzeit arbeiten. „Hier sehen wir, dass Führen in Teilzeit funktionieren kann und das Unternehmen damit wirtschaftlich erfolgreich ist“, fasste Dilek Kolat ihre Eindrücke zu Beginn der Podiumsdiskussion zusammen. Denn um den Mitarbeitenden diese Möglichkeit zu geben, werden die Positionen mehrfach besetzt. Alle Arbeitsschritte werden dafür dokumentiert, damit die Arbeitsabläufe auch von anderen Kollegen nachvollzogen und fortgeführt werden können. Der Vorteil liege darin, dass sich so häufig Verbesserungsvorschläge ergäben und so auch Urlaubs- und Krankheitsvertretungen kein Problem mehr seien, erklärt Patricia Rezic.

Senatorin Dilek Kolat im Gespräch

Der Erfolg zeigt sich auch in dem überdurchschnittlichen hohen Frauenanteil im Unternehmen von fast 50 %. Bei Projektron wird der Gesellschaftswandel gelebt. Jan Eder kann in Berliner Unternehmen auch eine neue Offenheit für solche Lösungen erkennen. „Man muss aber auch differenzieren: Bestimmte Arbeitsformen oder Branchen bieten sich dafür eher an als andere. Es müssen immer individuelle Lösungen gefunden werden, für die die richtige Unternehmenskultur gebraucht wird“, fügt er hinzu.

Für Janice Kwiatkowski, Leiterin des Supports und der Technischen Beratung, ist alles eine Frage der Organisation. „Aber auch, dass das Vertrauen da ist, dass ich alles auch in Teilzeit schaffe, ist sehr wichtig“, berichtet sie. Hier sieht Dilek Kolat ein Aufgabenfeld für die Politik: „Es geht hier ja nicht nur um Eltern, sondern zum Beispiel auch um pflegebedürftige Familienangehörige. Zeitmanagement und Familienarbeitszeit sind auch politische Themen. Zwar haben die meisten bereits ein neues Rollenverständnis, aber das System kann dafür noch bessere Instrumente zur Verfügung stellen.“ Für Jan Eder gilt aber trotzdem: „Am Ende muss die Anwendung und der Wandel im Betrieb passieren. Die Politik kann nur unterstützen.“ Unternehmen müssten aber in jedem Fall erkennen, dass sie Instrumente wie Teilzeitarbeit anbieten müssen: „Sie sind wichtig, um Führungspositionen zu sichern, die sonst gefährdet sind.“

Dies ist besonders vor dem Hintergrund entscheidend, dass hier offenbar ein Trend zu erkennen ist, wie Patricia Rezic noch einmal sagt: „Zahlreiche Mitarbeiter, die Teilzeitarbeit in Anspruch nehmen, tun dies nicht, weil sie Kinder haben. Viele haben Hobbies, die sie intensiver ausleben wollen oder ihnen genügt das Geld einfach.“ Die Generation Y hat häufig andere Vorstellungen von der Work-Life-Balance, als dies noch in den Generationen davor der Fall war.

Konsens ist bei allen Podiumsteilnehmern, dass es kein einheitliches System für das Führen in Teilzeit gibt, sondern jedes Unternehmen individuelle Lösungen finden muss und kann. Und es lohnt sich, wie Geschäftsführer Maik Dorl erzählt: „Wir sind nicht trotz, sondern wegen dieses Angebots erfolgreich, da wir die Mitarbeitenden so an uns binden konnten.“

Um diese Art von Instrumenten weiter voranzubringen, ist es für Jan Eder wichtig, die Kultur vorzuleben und darüber zu reden. Für Dilek Kolat steht im Fokus „nicht nur theoretisch an die Themen heranzugehen, sondern auch praktische Einblicke zu bieten.“ Beides realisieren sie mit der Kampagne „Unternehmen mit Frauen an die Spitze“ und den Unternehmensbesuchen, die diese praktischen Einblicke gewährleisten und alle Teilnehmenden inspirieren sollen.